Vom spanischen Andalusien bis nach Norwegen, von Portugal bis in die Türkei – die 8.500 Wechselbrücken und 3.500 Trailer des Logistikunternehmens legen jedes Jahr Tausende Kilometer durch ganz Europa zurück. An Bord der Transportbehälter befinden sich auch verpackte Produkte der chemischen Industrie – u.a. Gefahrgut –, die grösstenteils auf Paletten gebündelt und einzeln als sog. Stückgut verschickt werden. Rund vier Millionen Sendungen mit chemischen Produkten werden im Jahr auf die Reise geschickt. Lieferverzögerungen aufgrund von Staus oder Streckenänderungen dabei stets im Blick zu behalten und diese an die Kunden zu kommunizieren, stellt vor allem im Stückgutgeschäft eine besondere Herausforderung an Mensch und Telematiksysteme dar.
Tracking in Echtzeit
Die als Ladegefässe verwendeten Wechselbrücken sind an keine bestimmte Zugmaschine gebunden, sondern können von unterschiedlichen Fahrzeugen schnell und unkompliziert abgeholt, transportiert und wieder abgestellt werden. Im Fernverkehr werden sie oft zwischen den Umschlagterminals getauscht – und setzen ihre Reise mit einer anderen Zugmaschine fort, sog. Begegnungsverkehre. Oft warten sie auch, aufgebockt auf ihren Stelzen, auf den nächsten Einsatz. Sei es auf dem Hof der 239 Road-Logistics-Niederlassungen, bei Kunden an einer Verladerampe oder auf einem Abstellplatz. Als robustes und langlebig konstruiertes System teilt die autarke Wechselbrücke weder Energie noch Informationen mit ihrer Zugmaschine.
„Mit der Kombination aus Lokalisierung in Echtzeit und Visualisierung machen wir bei der Sendungsverfolgung und -steuerung in unserem Stückgutnetzwerk einen entscheidenden Schritt nach vorne. Unsere Mitarbeitenden werden bei der Kapazitätsplanung unterstützt, sodass sie die Auslastung der Verkehre optimieren und die Effizienz im Umschlag steigern können“, sagt Alexander Tonn, COO Road Logistics bei DACHSER.
Auf der anderen Seite bedeutet diese Flexibilität, dass die Routen und Einsatzorte der Wechselbrücken vom Start- bis zum Endpunkt einzeln nachvollziehbar sein müssen. Denn wer weiss, wo die Wechselbrücke ist, kann auch die geladenen Sendungen tracken. Deshalb wurde jede Wechselbrücke mit innovativen Smart Tracking Devices ausgestattet. Über das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) lassen sich die Transportbehälter in Echtzeit verfolgen und somit Ankunftszeiten exakt berechnen. Eine zentrale Plattform, die mit den Tourdaten des Transportmanagementsystems von DACHSER verheiratet ist, führt dabei sämtliche Positionsdaten – auch von Trailern und Zugmaschinen – zusammen.
Technologie auf den Punkt
Von der erhöhten Lieferkettentransparenz profitieren auch die Kunden der Branchenlösung DACHSER Chem Logistics, da sie exaktere Informationen in Echtzeit darüber erhalten, wann genau die gewünschte Ware ankommt. Auch die hohen Sicherheits- und Qualitätsvorgaben bei Chemiegütern können mit dem zentral gesteuerten IT-System flächendeckend überwacht werden.
Die Entwicklung der innovativen Smart Tracking Devices für den Einsatz auf Wechselbrücken wurde gemeinsam mit der Deutschen Telekom und anderen Technologieunternehmen vorangetrieben. Eingebaut wurden High-End-SIM-Karten der Deutschen Telekom, die aus energiesparenden, mit Solarzellen unterstützten Akkumodulen bestehen und besonders robust und witterungsbeständig sind. Sie können Temperaturen von -40°C bis +105°C standhalten und funktionieren so in jeder Klimazone, die befahren werden muss. Dank einer Ladekapazität von rund sechs Monaten sind selbst die Wintermonate oder lange Schlechtwetterperioden mit wenig Sonnenlicht kein Problem. Mittels moderner satellitengestützter Ortungstechnik wie GPS oder Galileo und Funkmodulen auf Basis der neuen 5G/LPWAN-Netze (LTE-M) wird die Ortung ermöglicht. Weitere derzeit noch verbreitete Funkstandards sichern zusätzlich den lückenlosen Empfang ab. Die ganzheitliche Lösung ist so entwickelt worden, dass sie die gesamte Lebenszeit einer Wechselbrücke von zwölf Jahren wartungsfrei unterstützt.
Sandra Pereira Leal
Sandra Pereira Leal